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AKTUELL:

VIDEO: elektronische Komposition „19,66-20,26MHz“

"SchwebeLieder" (2025)

Das Werk ist für ENSEMBLE KLANGFORUM WIEN komponiert und wurde beim Festival Wien Modern 2025 uraufgeführt.

Wichtig war nicht der Mensch, sondern der Ziegelstein…

Der Überlieferung nach dauerte es einen ganzen Monat, um einen der riesigen Steine auf die oberen Stockwerke des Turms von Babel zu heben. Wenn ein solcher Brocken herabstürzte, riss er Menschen in den Tod – doch für die Turmbauer war der verlorene Stein wichtiger als das menschliche Leben selbst. In dieser Geschichte offenbart sich eine bittere Wahrheit jener Zeit: Die Menschen in Babylon erfuhren die Ungerechtigkeit des Todes, seine Unumkehrbarkeit, seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Einzelnen. Der Tod nimmt alles und lässt nichts übrig.

Ihre Antwort darauf war ein Aufbegehren gegen Gott selbst.

Diese Haltung lässt sich als eine archaische Form des Revolutionsgedankens deuten. Zwei Parallelen treten dabei hervor: Zum einen die Einstellung gegenüber dem Menschen – als ersetzbares Glied im Getriebe eines größeren Ideals. Zum anderen die Einstellung zu seinem Platz in der Welt – der Wunsch, ihn nicht durch Wandel seiner selbst zu verändern, sondern durch Kampf. In dieser Haltung liegt das Fundament jedes Krieges, auch jenes Krieges, den der moderne Mensch gegen sich selbst und seine Umwelt führt.

Der sowjetische Regisseur Dsiga Vertov dokumentierte in seinem filmischen Werk, besonders in der Reihe Kino-Pravda, auf eindringliche Weise den Prozess der Entmenschlichung im Zuge der russischen Revolution. In seinen Filmen verschwindet der Einzelne zugunsten des gesellschaftlichen und politischen Kollektiven. Der soziale Raum erhält Priorität über dem persönlichen Raum des Einzelnen. In dieser Logik wird der Mensch austauschbar – jeder kann jederzeit durch einen anderen ersetzt werden. Das ist das Prinzip der Entmenschlichung. Die Lüge dient dabei als Werkzeug, die Wahrnehmung der Realität zu verzerren und sie durch eine Ideologie zu ersetzen.

Mein Auswahl des Zitates ist aus Glumovs Tagebuch: ca. 07:22-12:29 

Vertov nahm in die Kino-Pravda Nr. 16 auch Sergej Eisensteins erste Filmproduktion Dnevnik Glumova (Glumovs Tagebuch) auf, die dieser für die Inszenierung von Aleksandr Ostrovskijs „Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste“ im April 1923 am Moskauer Proletkul’theater gemacht hatte. (Regie: Sergej Eisenstein; Kamera: Boris Francisson; Darsteller: Grigorij Aleksandrov, Vera Janukova, Maksim Štrauch, Aleksandr Antonov, Sergej Eisenstein)

Der Protagonist Glumov errichtet darin seinen ganz eigenen „Turm“ – ein Turm aus Intrigen, Täuschung und Opportunismus. Getrieben von dem Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg, lügt und manipuliert er, fälscht Tagebücher, schmeichelt und verliert dabei jedes Gespür für Wirklichkeit und Aufrichtigkeit. Wie die Erbauer von Babel verliert er den Zugang zur gemeinsamen Sprache und damit zur Empathie für den Anderen. Am Ende wird er entlarvt, und sein mühsam errichtetes System stürzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Im Mythos vom babylonischen Turmbau liegt der Ursprung der Sprachverwirrung. Der Mensch hört auf, den anderen zu verstehen. Wo aber kein Verstehen mehr möglich ist, triumphiert die Ideologie über das Menschliche. Diese Dynamik erinnert an die Ideale des Sozialismus, die in der Sowjetunion auch die Musikwelt durchdrangen. Viele Komponisten waren ideologisch und stilistisch vereint – bis der Zerfall der Sowjetunion zu einer künstlerischen Zersplitterung führte, vergleichbar mit dem Zusammenbruch des babylonischen Turms.

Doch hier zeigt sich eine entscheidende Wendung: Die Sprache der Musik besitzt eine vereinigende Kraft. Sie überwindet Grenzen, Ideologien und Sprachen. Sie bleibt universell – selbst dort, wo andere Formen der Kommunikation versagen. In dieser universellen Sprache liegt die Hoffnung auf ein neues Verstehen jenseits von Lüge, jenseits von Entmenschlichung.

 

„SCHWÄRZE ZERBRICHT“ (2025)

für Violine, Cello und Klavier

 

Lichtphänomene in Neuer Musik mit dem Trio Phanos:

 

Marina Khorkova

SCHWÄRZE ZERBRICHT (2025)
für Violine, Cello und Klavier
animation created by Anna Yevdokimova

„SKETCH“ (2023-2024)

für Ensemble

 

Das Werk wurde von Ensemble MCME aufgezeichnet: https://m-c-m-e.ru/eng/

„Strömungen“ (2023)

für Orchester 

Es wurde im Rahmen des Festifals KLANGSPUREN 2023 von Tiroler Symphonieorchester Innsbruck uraufgeführt: https://klangspuren.at/de/festivals/2023/tiroler-symphonieorchester-innsbruck

„Klangliche Täuschungen in drei Interaktionen“ (2023)

für Multiphonics-Klavier

Das Werk wurde im Rahmen des Festivals Heroines of sound uraufgeführt:

https://www.heroines-of-sound.com/artists/marina-khorkova/ 

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